Aktuell

“Ethik des interkulturellen Zusammenlebens”

Vortrag im Rahmen des Studium generale am Vormittag

Kulturen im Dialog und im Konflikt

an der VHS Ahaus am 4. September 2019

Die europäische Geschichte ist seit ihren Anfängen dadurch geprägt, dass Kulturen – friedlich ebenso wie feindlich – aufeinandertreffen, dass sie in Beziehung treten, sich assimilieren und dadurch weiter entwickeln. Kulturdialoge prägen auch die Geschichte Deutschlands seit dem Zweiten Weltkrieg. Seit der verstärkten Zuwanderung im Jahr 2015 haben wir den Eindruck, dass der Dialog wichtiger ist denn je. Wir müssen einerseits den Islam sowie die traditionellen Lebensweisen in der arabischen Welt und in Afrika besser kennen lernen, andererseits müssen wir auch unsere gewachsenen Traditionen und Selbstverständlichkeiten besser erklären und vermitteln.

Deshalb setzt sich die Vorlesungsreihe zum Ziel, aus der Sicht der Philosophie, der Islamischen Theologie und der Ethnologie die aktuellen Brennpunkte kultureller Dialoge herauszuarbeiten.

“Gibt es eine moralische Verpflichtung     zum Rechtsgehorsam?”

Beitrag zum Sammelband “Warum befolgen wir Recht?”

Warum wird Recht befolgt? Der Band geht dieser Frage aus den Perspektiven der Rechtswissenschaft, Psychologie, Ökonomik, Soziologie und Philosophie nach. Er stellt Erklärungs- und Begründungsansätze vor und zeigt, wie Recht und Rechtswissenschaft mit der (Nicht-)Befolgung des Rechts umgehen. Schließlich wird überlegt, durch welche Techniken der Rechtsetzung sich die Bereitschaft zur Rechtsbefolgung steigern lässt.

Master-Seminar am Institut für Philosophie der FU Berlin: “Philosophie des internationalen Rechts”

Die Politische Philosophie stand in jüngerer Zeit im Zeichen der Debatte um die Grundlagen und die Inhalte der globalen Gerechtigkeit. Erst seit kurzem gibt es (wieder) ein reges Interesse an philosophischen Fragen, die das internationale Recht (IR) aufwirft:

(1) Was ist der Begriff des IR? Ist IR wirklich „Recht“, und wie unterscheidet es sich vom innerstaatlichen Recht? Was sind die Grundlagen und die normative Kraft des IR? (2) Was ist unter der Legitimität von internationalen Institutionen zu verstehen? Aus welchen Quellen bezieht das internationale Recht seine Legitimität? Gibt es für Staaten eine moralische Pflicht zur Befolgung der Forderungen des IR? (3) In welchen Politikfeldern hat das IR eine besondere Relevanz? Und wie ist die normative Legitimität von real existierenden Institutionen in einem internationalen Kontext zu beurteilen?

Im forschungsorientierten Seminar sollen jüngere Beiträge zur Diskussion des Begriffs, der Grundlagen und besonderer Felder des IR gelesen und gemeinsam diskutiert werden. Wünsche und Interessen der TeilnehmerInnen etwa an der Vertiefung eines besonderen Politikfeldes sollen berücksichtigt werden. Die Teilnahme am Seminar setzt Vorkenntnisse in der Politischen Philosophie bzw. in der Rechtsphilosophie voraus.

Buchprojekt: „Grundlinien einer globalen Ethik. Wirtschaft, Politik und Kultur im 21. Jahrhundert”

Zur Zeit arbeite ich an einem größeren Forschungsprojekt, das die Grundlinien einer globalen Ethik zeichnen soll. Drei Gruppen von Fragen stehen im Mittelpunkt dieses Projekts:

(1) Wie kann man die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Aspekte der Globalisierung beschreiben und erklären?

(2) Welche ethischen Kategorien stehen uns zur Bewertung der Begleitumstände der Globalisierung zur Verfügung? Drei Probleme sind hier zu unterscheiden: a) Wie sähe eine weltweit gerechte Verteilung von Gütern (wie Grundfreiheiten, Chancen, Wohlstand) aus? b) Was sind die Kriterien der normativen Legitimität des internationalen Rechts und der internationalen Institutionen? c) Welcher Wert kommt der Integrität und Diversität unterschiedlicher Kulturen und Lebensformen zu?

(3) Wie lassen sich die in einer idealen Theorie gewonnenen Einsichten über die Inhalte der globale Gerechtigkeit, die Kriterien der politischen Legitimität und den Wert der Diversität von Kulturen in der Realität anwenden? Wie können sie für eine Korrektur der negativen Folgen der Globalisierung relevant gemacht werden?

Symposium „Musik und Ethik“ am 26. und 27. Oktober 2018

Vortrag Peter Rinderle

Kulturelle Bildung durch Musik. Zur ethischen Bedeutung der expressiven Gesten einer imaginären Persona

Durch ihre emotionale Expressivität kann Musik zur kulturellen Bildung des Menschen beitragen. Wenn wir Kultur als Repositorium eines (nichtpropositionalen) Wissens von ethischenWerten und Fähigkeiten verstehen, so ist die Kunst im Allgemeinen und die Musik im Besonderen eine unverzichtbare Quelle eines solchen Wissens. Expressive Musikstücke fordern den Hörer zur Sympathie mit einer fiktiven Persona auf; sie ermöglichen ihm eine imaginäre Teilhabe an deren Emotionen; und sie eröffnen ihm auf diese Weise einen Zugang zu ethisch relevantem Wissen.

Ralf Alleweldt/Günter Walzenbach (Hrsg.), Varieties of European Subsidiarity: An Interdisciplinary Perspective, e-international relations publishing (in Vorbereitung). (https://www.e-ir.info/publications/)

Beitrag von Peter Rinderle

The Political Philosophy of European Subsidiarity

The principle of subsidiarity grows out of a long tradition of social and political thinking, and it is still used in a variety of different national, regional and global contexts. In recent times, it has received a prominent place within the European Union. Although there are several competing conceptions of subsidiarity, its core idea consists in shifting the burden of proof to the central agency: the right to make obligatory decisions should be allocated to the lower or smaller levels of a community unless there are good reasons to do otherwise.

To assess the idea of subsidiarity from a philosophical perspective, four questions shall be raised and answered: first, how are we to understand the term “subsidiarity”; second, how are we to evaluate this idea; third, how can we implement it in different institutional contexts; and forth, how are we to understand the principle of subsidiarity as it has been institutionalized in the European Union?

Konferenz „Warum befolgen wir das Recht? Rechtsbefolgung und Rechtsverbindlichkeit in interdisziplinärer Perspektive“ am 26. und 27. März 2018

Vortrag Peter Rinderle

Rechtsbefolgung aus philosophischer Perspektive

Man kann das Phänomen der Rechtsverbindlichkeit oder der Rechtsbefolgung aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Rechtswissenschaftler wollen wissen, welche Inhalte das positive Recht hat, d.h. unter welchen legalen Verbindlichkeiten das Mitglied einer Gemeinschaft steht. Sozialwissenschaftler werden sich dagegen die Frage vorlegen, wie man die Motive zur Befolgung – oder unter bestimmen Umständen eben auch die Nichtbefolgung – von rechtlichen Normen beschreiben und erklären kann. Juristen und Sozialwissenschaftler haben es also in erster Linie mit einem deskriptiven Problem zu tun.

Ein Philosoph wird sich dagegen zunächst über ein begriffliches Problem und in der Folge vor allem über ein normatives Problem wundern und sich die Frage stellen, was unter der Befolgung des Rechts überhaupt zu verstehen ist und ob die Mitglieder einer politischen Gemeinschaft wirklich gute Gründe haben, den Forderungen des positiven Rechts nachzukommen – und zwar unabhängig sowohl davon, ob sie selbst denken, einen Grund zu haben, diese Forderungen zu befolgen, als auch davon, ob sie diesen Forderungen dann tatsächlich nachkommen.